Erinnerungsarbeit

Die Geburtsstunde des VfL Bochum in seiner heutigen Form liegt - entgegen der weitläufigen Meinung -  nicht wie vor jedem Heimspiel im Ruhrstadion beschworen im Jahr 1848, sondern beinahe ein ganzes Jahrhundert später. Am 14. April 1938 schlossen sich Germania 06, TuS sowie der Turnverein 1848 Bochum zum „Verein für Leibesübungen e.V.“ zusammen. Die von NSDAP-Oberbürgermeister Otto Piclum forcierte Fusion diente ihm selbst zur Stärkung seiner Position innerhalb des NS-Machtapparats. Die erhofften sportlichen Ambitionen erlangte der Verein jedoch erst Anfang der 1970er Jahre.

Das Jahr 1938 ist aber auch aufgrund weiterer Ereignisse ein bedeutendes für die Stadt Bochum. Am 26. Juni 1938 gewann der zu „Schild“ Bochum umbenannte TuS Hakoah in den Schild-Verbandsmeisterschaften den Titel. Die Freude der jüdischen Spieler und Funktionäre währte jedoch nicht lange. Im November jenes Jahres brannten Synagogen im gesamten Deutschen Reich, wurden Geschäfte und Wohnungen demoliert, Juden misshandelt. Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, die 1933 mit diskriminierenden Aktionen wie dem Boykott jüdischer Geschäfte begonnen hatte, erreichte eine neue Stufe.

All diesen Ereignissen und vielen weiteren Erinnerungsorten gedenkt die Broschüre „1938 - nur damit es jeder weiß“. Diese wird im Vorfeld des Heimspiels des VfL Bochum gegen den 1. FC Kaiserslautern am Infostand der Faninitiative Bochum, im Ostkurventreff, in den Räumlichkeiten der Gruppe Ultras Bochum 1999, am Infostand in Block A sowie im Stadtarchiv ausgelegt. Die Initiatoren der Broschüre, die „Arbeitsgruppe Erinnerungsorte Bochum“, ein Zusammenschluss engagierter VfL-Fans, haben sich in Zusammenarbeit mit den Experten Dr. Ingrid Wölk, Dr. Henry Wahlig, Dr. Hubert Schneider und Alfons Zimmer intensiv mit der Geschichte des Vereins und der Stadt auseinandergesetzt. Das ehrenamtliche Engagement der Fans ist ein Vorbild für eine gelingende Partizipationskultur.

Die Botschaft an alle Fans, Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt ist Folgende:

Tradition und Geschichte können nur erhalten werden, wenn wir um sie wissen und die eigenen Wurzeln kennen. Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit nennt man Geschichtsbewusstsein. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, eine lebendige Erinnerungskultur zu erhalten, wenn von „Schuldkult“ und „Nationalmasochismus“ die Rede ist. Dies ist der größte blinde Fleck rechtspopulistischen Denkens: dass nicht gesehen wird, dass der Umgang der Deutschen mit ihrer historischen Schuld ein souveräner, reflektierter und deshalb selbstbewusster ist.

In diesem Sinne: 1938 – nur damit es jeder weiß!