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3. Runder Tisch der Robert Bosch Stiftung in Bochum

Am Anfang stand eine große Idee, die man sich von den Fußballclubs aus England holte: Fußballvereine sollten sich über die sportbetonte Ausbildung junger Menschen hinaus um die Bildung junger und sozial benachteiligter Menschen kümmern. Bochum, Dortmund, Berlin und Bremen richteten als erste Standorte Lernzentren bei ihren Clubs ein.

Im „Lernort Stadion“ des VfL Bochum trainieren nun bereits seit 2007 Jugendliche aus Haupt- und Förderschulen in Workshops, wie ein gutes Zusammenleben gelingen kann und wie sie ihre Persönlichkeit weiter entwickeln können. soccer meets learning heißt in Bochum die außerschulische Bildungsinitiative, die vom Fanprojekt organisiert und von der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Bundesliga-Stiftung unterstützt wird. Mittlerweile werden an zehn Standorten hauptsächlich junge Menschen mittels unterschiedlicher Angebote und über die Faszination Fußball motiviert, sich in diesem außergewöhnlichen Lernort Stadion mit politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Problemen auseinanderzusetzen, die als politische Bildungsthemen bei den Jugendlichen ansonsten eher wenig Interesse wecken. Vertreter der Lernzentren und interessierter Fußballvereine trafen sich nun vom 27. bis zum 28. Februar 2012 zum dritten Runden Tisch "Fußball und gesellschaftliche Verantwortung. Politische Bildung im Lernort Stadion stärken", der jährlich von der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Bundesliga Stiftung und dem Centrum für angewandte Politikforschung durchgeführt wird, in der rewirpowerLounge des VfL Bochum.

 

„Politische Bildung und Vielfalt. Fußball als Integrations- und Partizipationsmotor?“ – unter dieser Fragestellung tauschten sich die Teilnehmer des diesjährigen Runden Tisches in Workshops aus und diskutierten im öffentlichen Teil des zweiten Tages mit Vertretern wichtiger gesellschaftlicher Bereiche.

 

Im Rahmen des Runden Tisches präsentierte zudem am Montagabend das Fanprojekt Bochum sein Lernzentrum soccer meets learning. Fanprojektleiter Ralf Zänger, der das Lernzentrum in Bochum ursprünglich eingerichtet hatte, blickte kurz auf dessen Entwicklung zurück. Anschließend zeigte die Projektkoordinatorin, pädagogische Begleitung und Referentin von soccer meets learning Melanie Bujok mit einer audiovisuellen Darstellung Ergebnisse aus den Projektwochen „Freiheiten & Rechte haben“ auf. Zu einigen ausgewählten –für die Lebenswirklichkeit der jungen Teilnehmer wichtigsten – Grundrechte wird hier beispielsweise mit einem Anti-Gewalt- oder Sozialen-Kompetenz-Training, Training gegen Diskriminierung, Zivilcouragetraining, Hochseilgarten- oder Parkourtraining, Theater- und HipHop-Workshop gearbeitet. Anhand von Bildern aus den verschiedenen Workshops, Fotografien der Graffitis und Audioaufnahmen der  Rapsongs, die zu den jeweiligen Projektwochenthemen entstanden sind konnten die Teilnehmer mit Hilfe zusätzlicher Erläuterungen einen Eindruck gewinnen, wie die Frage nach Inklusion und Integration bei soccer meets learning bearbeitet wird.

Am Dienstag 28.02.2012 wurden sodann auf der Podiumsdiskussion zu dem Thema "Wie wirken Fußball sowie Projekte im Umfeld von Fußball auf (soziale) Integration hin und welchen Beitrag können Akteure aus Sport, Politik, Medien und Praxis dabei leisten? Wo liegen die Chancen und Grenzen?" verschiedene Ideen diskutiert.

Über die Wichtigkeit der Lernzentren war man sich auf dem Podium einig: Ansgar Schwenken, Vorstand des VfL Bochum und des Ligaverbandes, Dolf Mehring, Leiter des Jugendamtes Bochum, Werner Stürmann, Abteilungsleiter Sport/Sportstätten, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Gerd Dembowski, Sozialwissenschaftler, Fanforscher, Kurator und freier Autor und Heiko Buschmann, Chefredakteur RevierSport unterstrichen auf Fragen von Stefan Göke (Lokalzeit WDR) die enge Verbindung von Fußball und Gesellschaft und die sich daraus ergebenden Potenziale für die politische Bildung von Jugendlichen: Ausgrenzungs- und Unterdrückungsformen wie etwa Rassismus, Sexismus oder Homophobie stehen einem fairen Miteinander in der gesamten Gesellschaft ebenso entgegen wie auch im Stadion oder eben im Klassenzimmer. Den Diskriminierungsformen gilt es in allen gesellschaftlichen Bereichen entgegenzuarbeiten und dies möglichst früh bei den jungen Menschen – sicherlich mit noch vielen weiteren Gesprächen aber auch, wie VfL Profispieler und Podiumsgast Mimoun Azaouagh es sich wünscht, mit Taten.

 

Weitere Informationen zu den Lernzentren finden Sie hier.

 

 

 

 

 

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